Interview: E-Commerce Architekt Stephan Grad auf dem roten Sofa

Veröffentlicht am 7.09.2015 in Interview

Wien / Köln. Auf unserem roten Sofa interviewen wir regelmäßig Menschen, die den E-Commerce aktiv prägen. Internationalisierung in den deutschsprachigen Raum ist für E-Commerce Unternehmen ein großes Thema, schließlich steht hier keine potentielle Sprachbarriere im Weg. Wir freuen uns daher sehr, dass wir diesmal den österreichischen E-Commerce Architekten Stephan Grad für uns gewinnen konnten. Als einer der Gründer von A-Commerce treibt Stephan die Digitalisierung und den E-Commerce in Österreich voran.

Realitäts-Check der österreichischen eCommerce Branche im internationalen Vergleich 

Stephan, du bist seit vielen Jahren als “E-Commerce Architekt” unterwegs. Was können sich unsere Leser konkret darunter vorstellen? 

Profilbild Stephan Grad A-Commerce

Stephan Grad, E-Commerce Architekt bei A-Commerce

Das ist sehr einfach zu erklären, wir nehmen meist das Bild des Bergführers dafür: Wenn ihr als ungeübter Wanderer auf den Berg wollt, nehmt ihr euch einen Bergführer. Der weist euch darauf hin, welche Ausrüstung ihr braucht, wann ihr am besten startet, welche Route ihr gehen sollt etc. Aber da ist eben noch nicht Schluss, denn der Bergführer begleitet euch am Weg zum Gipfel und bring euch auch wieder heil retour. Das ist auch unser Ansatz bei eCommerce Projekten – wir packen an, wir arbeiten hart daran, dass Unternehmen mit uns gemeinsam erfolgreich werden – denn leider gibt es viel zu oft Personen, die zwar tolle Powerpoint Slides bauen können, den Kunden aber im kritischen Moment – nämlich bei der Umsetzung – alleine lassen.

Bei A-Commerce beschäftigt ihr euch unter anderem mit der Internationalisierung bestehender, deutschsprachiger Webshops nach Österreich. Sind die Unterschiede wirklich so gravierend, dass sich das lohnt? Kannst du uns ein paar Beispiele geben? 

Auch wenn wir eine ähnliche Sprache sprechen, so ergeben sich doch im täglichen Miteinander eklatante Unterschiede! Dies fängt einerseits beim ersten Kontakt mit dem Shop an: Österreichische Konsumenten bevorzugen den telefonischen Kundenservice, Chat Services werden kaum genutzt. Weiter geht es dann mit der Formulierung der Produkt-Bezeichnungen – es gibt gewisse deutsche Redewendungen, die einen österreichischen Konsumenten klar abschrecken.

Und natürlich auch das Payment Thema ist relevant – in Österreich ist ELV, das Elektronische Lastschriftverfahren, de facto nicht existent. Rechnungskauf, Kreditkarte, PayPal & Sofort sind jene Zahlungsmittel, mit denen man 99% der Konsumtenbedürfnisse bereits abdecken kann.

Der österreichische Markt hat oft mit Vorurteilen zu kämpfen, zum Beispiel, dass Österreich mindestens 5 Jahre hinter Deutschland her hängt oder auch, dass euch in Österreich kreative Online-Konzepte fehlen. Auch “Österreicher kaufen lieber bei Österreichern” oder “Österreicher arbeiten lieber mit Österreichern” hört man oft. Wie siehst du das?

Das sind leider nicht nur Vorurteile, sondern die Realität und war für uns der Grund, A-COMMERCE ins Leben zu rufen. Das Problem hier ist, dass deutsche Unternehmen schon wesentlich früher auf den Zug der Digitalisierung im B2C Bereich aufgesprungen sind – und aufgrund des größeren Marktes ist es nun schwer für österreichische Händler, nachzuziehen. Aber jeder von uns kann tagtäglich beobachten, dass derzeit nicht das eingesetzte Kapital entscheidet, ob Unternehmen im eCommerce erfolgreich sind, sondern ob man die Kunden-Wünsche verstanden hat und auch dementsprechend agiert.

Natürlich spielt in Österreich auch die Regionalität eine Rolle – gerade da in Österreich auch auf Wirtschaftspolitischer Ebene oft für “Made in Austria” geworben wird. Der Konsument bekommt aber oft gar nicht die Möglichkeit, diese regionalen Produkte auch auf digitalem Wege zu beziehen.

Warum ist Österreich für deutsche Online-Händler ein attraktiver Markt?

Wir haben 8,6 Mio Einwohner mit einer ähnlichen Kaufkraft wie es das Bundesland Bayern aufweisen kann. Da die Unterschiede im Vergleich zur Internationalisierung in andere Länder aufgrund ähnlicher Sprache, gleicher Währung, länderübergreifender Logistik-Partner marginal sind, sollten deutsche Online Händler die Chance nutzen, den Österreichischen Markt aufzurollen.

Last but not Least: Welche Entwicklung im Commerce-Umfeld fandest du dieses Jahr wirklich innovativ?

Auch wenn das Thema abgedroschen klingt – erst in den letzten Monaten zeigt sich, dass viele Händler Multichannel verstanden haben. Sie haben eingesehen, dass es kein Multichannel Ansatz ist, wenn man einige iPads in der Filiale aufstellt, sondern dass Kunden sowohl offline wie online ähnliche Möglichkeiten der Individualisierung, der Reservierung / Zustellung und wieder einmal des Kundenservices wollen. Wenn mir das Unternehmen bei Kauf in der Filiale ein ähnliches Rückgaberecht / Umtauschrecht wie auch online einräumt, komme ich gar nicht in die Versuchung, mir online Angebote bei Konkurrenten einzuholen.

Durch den Einsatz von mobilen Loyalty- & Payment Möglichkeiten wird sich das Zusammenwachsen der Kanäle in den kommenden Jahren weiter beschleunigen und komplett verschwimmen.

Vielen Dank Stephan für das Interview!

Über Stephan Grad

Mit dem Satz “How hard can it be” lässt sich die Arbeitsweise von Stephan Grad am besten beschreiben: Ideen, Visionen & Strategien werden mit absoluter Präzession erarbeitet und umgesetzt, um so die eCommerce & Digital-Branche in Österreich, aber auch der gesamten Alpenregion mit mehr Innovationskraft zu versehen. Durch seine Arbeitsweise hat sich Stephan einen ausgezeichneten Ruf bei Online Händlern, aber auch Dienstleistern sowie Agenturen geschaffen. Stephan ist Gründer & Geschäftsführer von A-COMMERCE, hat davor bereits mehrere eCommerce StartUps in Österreich aufgebaut und zum Erfolg geführt.

BLUETRADE & A-COMMERCE

BLUETRADE & A-COMMERCE starten ihre Partnerschaft, um in Österreich, aber auch der D-A-CH Region innovative Ideen im Bereich eCommerce & Digitalisierung voran zu treiben, und so Unternehmen beim harten Wettbewerb in der digitalen Welt zu unterstützen.